Für einen kurzen Abstecher geht es jetzt nach Norwegen. In Karasjok soll es ein sehr sehenswertes Samen-Museum geben. Die vielen Touristenbusse stimmen Matti schon ziemlich kritisch und leider entpuppt sich das doch recht teure Museum als Flopp. Ein paar sehr touristisch aufgemachte Gebäude sind zu besichtigen und ausserdem ein 30 minütiger Film, der nur die Sonnenseite der Geschichte der Samen kurz und oberflächlich zusammenfasste…
Zum Glück wissen wir noch von den „Samischen Sammlungen“ in der Nähe, ein Museum mit vielen samischen Gegenständen und Werkzeugen. Dazu erhalten wir eine deutsche Beschreibung, die sehr interessant und ausführlich über die Vergangenheit der Sami informiert.
Nach einer mückenreichen und regnerischen Nacht auf einem schmucken Zeltplatz mit nur einheimischen Lachsfischern fahren wir nun in den Norden. Da uns das ‚offizielle‘ Nordkap zu touristisch und zu teuer ist, entscheiden wir uns für den echten nördlichsten anfahrbaren Festlandpunkt Europas: Den Leuchtturm

Slettnes Fyr nördlich von Gamvik auf 71°5’33“. Hier geniessen wir den blauen Himmel und die feinen Waffeln im lokalen Café und haben ausserdem die Gelegenheit, auf den Leuchtturm zu steigen und die imposante Linse und die Weitsicht zu bestaunen… Trotz der Sonne ist es aber wegen dem Wind eisig kalt.
Schon auf dem Hinweg gefiel uns auch die wunderschöne karge Landschaft mit viel Stein und kleinen Seen und nur sehr wenig Vegetation. Die 125km gehören ausserdem zu den exponiertesten Strassen Norwegens. Im Winter ist hier häufig nur im Konvoi hinter einem Schneepflug ein Durchkommen möglich.
Als Basislager für diese Tour hatten wir uns einen ideal gelegenen Zeltplatz in Ifjord ausgesucht mit einer günstigen Hütte, die wir unserer eigenen Hygiene zuliebe erstmal selbst putzten und die Bettwäsche ausschüttelten und flickten. Auch der restliche Zeltplatz war ziemlich heruntergekommen… Wenn wir das gewusst hätten, hätten wir lieber beim Leuchtturm oder in Gamvik ein Zimmer genommen!
Nun geht es hurtig weiter gegen Westen und an einem schmucken Strassenstand kaufen wir bei einer Samenfrau selbstgemachte Souvenirs zu einem günstigen Preis. Abends findet Matti eine kleine Schotterpiste, die zu einem hübschen, von Schneefeldern gespiesenen Seelein führt, wo wir unser Zelt aufstellen. Neben blühenden Moltebeeren wagt Barbara sogar das Bad im eiskalten See und zur Belohnung gibt es danach (gekaufte) heisse Moltebeeren mit Sauerrahm…

Nächster Stop ist Alta mit seinen 2000-6500 Jahre alten, in den Fels eingehauenen Zeichnungen mit vielen Rentieren, Elchen und Booten und natürlich ebenso vielen Interpretationen, was die Zeichnungen wohl bedeuten könnten…
Mattis Tiger braucht nun nach ca 7000km langsam einen neuen Vorderpneu und auch der hintere beginnt schon eckig zu werden – sind halt leider keine Tourenpneus – so hoffen wir in Tromsø etwas zu finden. Da wir keine Lust auf einen Stadtcamping haben, übernachten wir auf einem schmucken Zeltplatz auf einer Insel vor Tromsø. Hier feiern wir schliesslich auch unser 5-Jähriges mit wunderschönem Blick über den Ullsfjord und die Fähre, die uns am nächsten Tag nach Tromsø bringt.
Bis wir dort ankommen ist jedoch Samstag und sämtliche uns bekannten Motorradläden haben geschlossen. So muss der Pneu halt noch eine Weile durchhalten… Nach einem Kurzbesuch des Zentrums von Tromsø fahren wir weiter westlich auf die Insel

Senja und geniessen Abends nach einem heftigen Gewitter das Bade im ebenfalls kalten See bei einer wunderschönen Abendstimmung.
Unser Ziel, die Lofoten, rückt näher und wir wollen mit einigem Inselhopping bald mal dort ankommen. Nun beginnt jedoch unsere Pannenzeit; als erstes beschliesst Barbaras Griffheizung an einem kalten Tag auszusteigen. Kurz danach hat Mattis Hinterpneu Rachegelüste, wohl weil er in Tromsø nicht ersetzt werden konnte. So entdecken wir während des wartens auf die verspätete Fähre nach Andenes einen fetten Nagel in der Lauffläche. Die Fähre nehmen wir jedoch trotzdem und hoffen, dass uns ein Abschleppdienst in Andenes weiterhelfen kann. Immerhin funktioniert nun die Griffheizung wieder, nachdem Matti alle Kontakte und Sicherungen geprüft hat – war wohl ein Lotterkontakt irgendwo.
Andenes entpuppt sich jedoch als Dorf am Ende der Welt; alleine das abschleppen irgendwohin hätte über 1000 Fr gekostet, so bezahlt uns die Versicherung lieber ein Hotel. Eigentlich braucht Matti ja nur einen neuen 17″ Schlauch, von denen es aber im Umkreis von 250km keinen einzigen gibt, wie sich nach etwa 20 Telefonaten am Montag Morgen herausstellt. Endlich finden wir einen im 300km entfernten Narvik, welcher schon eine Stunde später per Express auf dem Weg zu uns ist. Nun beginnt das bange warten, ob es auch wirklich der richtige ist und wann er wohl kommt. Wir verbringen dafür den Wartetag mit Postkarten schreiben, Fotos sortieren und das interessante Walmuseum besichtigen. Matti hat ausserdem schon mal neue Pneus nach Bodø vorausbestellt, die wir dann gleich nach den Lofoten montieren lassen wollen.
Am nächsten Mittag ist der Schlauch endlich da und der freundliche Automechaniker bei der Tankstelle montiert ihn uns. Endlich können wir aufatmen – er passt und ist dicht. So fahren wir am Nachmittag nach Stø, wo wir eine ganztägige

Wal- und Vogelsafari gebucht haben. Barbara beschliesst kurz nach der Abfahrt, dass ihr Zmorge den Fischen viel besser schmeckt und macht den Surrli. Die ganze Bootsfahrt verbringt sie gröbstens Seekrank an der Reling… Trotzdem sehen wir beide mehrere Pottwale sünnelen und mit imposant erhobener Schwanzflosse abtauchen. Auf dem Rückweg halten wir ausserdem bei einem vorgelagerten Vogelfelsen und sehen viele Papageientaucher und andere Hochseevögel.
Wie wir zum Zelt zurückkommen wundern wir uns, dass es etwas schräg in der Landschaft steht. Der Zeltplatz ist leider eigentlich nur ein exponiertes Wohnmobilcamp und der Boden besteht nur aus leicht überwachsenem Schotter, welcher keine Heringe erlaubt, wir hatten jedoch das Zelt mit vielen Granitsteinen gut beschwert, da es sehr heftig windete. Leider hatte einer davon wohl eine scharfe Kante und hat einer der wichtigeren Bändel des Zeltes durchtrennt und auch ein anderer ist schon arg in Mitleidenschaft gezogen. Matti flickt das ganze notdürftig und wir verbringen eine bange Nacht bei Sturm auf dem äusserst windigen Platz.
Natürlich regnet es mal wieder, doch in einer kurzen Pause packen wir zusammen, steigen (erst!) zum dritten Mal in die Regenkombis und fahren bei Nieselregen zurück nach Sortland. In der Nähe hat eine Samenfamilie drei Zelte und einige Rentiere aufgestellt und wir erfahren 1:1 viele weitere Details über ihre Kultur und haben endlich mal die Gelegenheit, einem lebenden Rentier durchs Fell zu streicheln! Noch immer bei Nieselregen fahren wir schliesslich durch viele Tunnels (eines davon auch unter dem Meer hindurch) auf die Lofoten, wo wir ein paar Tage verbringen wollen.

Der empfohlene Zeltplatz aus dem Reiseführer nahe Svolvær ist zwar nicht der hübscheste und auch das Warmwasser soll erst ab 22h wieder funktionieren, aber was solls, wir brauchen einfach ein Basislager für die paar Tage hier. Als wir jedoch danach erfahren, dass die Waschmaschinen (nach denen wir beim einchecken explizit gefragt hatten) auch nicht funktionieren würden und am nächsten Morgen die Aussage erhalten, dass das Warmwasser wohl erst in ein paar Tagen wieder funktionieren soll, packen wir schleunigst zusammen und ziehen 1km weiter auf einen ganz neuen, hübschen Platz wo das Warmwasser dann schliesslich auch funktioniert…
Das Wetter ist noch immer durchzogen und Barbaras Töffstiefel ebenso. Zum wiederholten Male leimen wir die Sohlen wieder an und hoffen, doch noch irgendwo einen Schuhmacher zu finden, der sie professionell reparieren könnte, damit sie nicht schon beim ersten durch die Wiese laufen nasser sind als die Wiese selbst. Da das Wetter jedoch gerade bei uns sonnig wird, machen wir eine Bootstour in einem schnellen Schlauchboot zum viel gerühmten und jedoch gar nicht so imposanten Trollfjord und zur Insel Skrova und haben unterwegs die Möglichkeit, Seeadler zu beobachten!
Erst am nächsten Tag wirds so richtig schön, so fahren wir bis ans Ende der Lofoten ins Dörfchen Å. Die täglich geöffnete und viel gerühmte Bäckerei hat zu und auch sonst ist nicht viel los, so fahren wir mit diversen Abstechern links und rechts zurück und geniessen das schöne Wetter und die Küstenlandschaften.

Abends, nach einer Empfehlung des Campingplatzbesitzers, nehmen wir noch kurz den Töff und so kommen wir nun das erste Mal in den Genuss der Mitternachtssonne über dem Meer. Bisher war es immer entweder schlechtes Wetter oder dann waren wir nicht in Küstennähe…
Auch besuchen wir das Wikingermuseum in Borg, wo ein riesiges Versammlungshaus ausgegraben wurde, und sind auch hier etwas enttäuscht – anscheinend sind skandinavische Museen mit wenigen Ausnahmen nicht für uns gemacht. Es wird auch ein Film über den Ort Borg gezeigt. Im Nachhinein erst erfahren wir, dass er mit der echten Geschichte wenig zu tun hat und ziemlich Hollywoodisiert ist – was hat so ein Film in einem Museum zu suchen??? Zum Glück finden wir immerhin grad noch Anschluss an die deutsche Führung durch das Wikingerlanghaus. Dieses eindrücklich rekonstruierte Gebäude ist zwar imposant aber gibt ohne Erläuterungen nicht viel her, da hier keinerlei Informationstafeln vorhanden sind.
Abends schliesslich fahren wir nach Svolvær hinein und essen in einer urigen Kneipe in einem Lagerhaus aus dem 19. Jahrhundert feine lofotische Spezialitäten, auch wenn der speziell zubereitete Fisch nicht so Barbaras Sache ist; doch schliesslich ist heute Mattis Geburtstag!
Die Töffpneus warten schon in Bodø, so wollen wir nun die direktere Fähre vom Südzipfel nehmen. Natürlich regnet es wieder am Morgen früh, und kaum hört es auf, haben wir schon zusammengepackt und fahren dick eingepackt los. Schon nach 10km sehen wir das erste Mal die Sonne – auf den Regenanzug hätten wir verzichten können! 2h vor Abfahrt sind wir am Fähranleger und werden in die Schlange gewiesen – normalerweise dürfen Töfffahrer doch immer zuerst rein, da sie auch separat verzurrt werden. Natürlich ist das Schiff dann auch noch zu klein und wir dürfen nicht mehr rein. Die nächste Fähre geht erst um 19h30 und kommt dann um Mitternacht in Bodø an. Das gurkt uns an, so fahren wir auf den nahen, ruhigen Zeltplatz, der Abends dann von einem ganzen Bus Tschechen überfallen wird – nichts ist mit Ruhe und die Duschen sind nun natürlich auch ständig belegt…
Kurz überlegen wir uns noch, die 6 Uhr Fähre zu nehmen, was uns dann aber doch zu früh ist. So stehen wir um 8 Uhr am Fähranlieger und oh Wunder, diesmal dürfen wir vorne parkieren, da hätten wir auch noch 2h länger schlafen können. Aber immerhin, endlich gehts weiter. Wir freuen uns auf die neuen Pneus und auf die Fjorde und Elche…

Salü zäme ….
immer wieder lese ich Eure Berichte mit grossem Interesse – und freue mich über die zahlreichen schönen und eindrücklichen Erlebnisse / Geschichten – die Ihr geniessen dürft …. (Pleiten, Pech und Pannen gehören dazu, und im Nachhinein bleiben sowieso nur die guten Erinnerungen).
Tromsö und die Lofoten sind mir auch noch in bester Erinnerung !?!
Ich habe in Tromsö bei Mitternachts-Sonne einen eindrücklichen Marathon gelaufen, und anschliessend auf dem Hausberg mit meinen Freunden die ganz spezielle Stimmung genossen ….. Die Lofoten sind sowieso eine Traumdestination wo man das Leben wie in einer anderen Welt erfahren kann – irgendwann werde ich dorthin wieder zurück gehen – smile !
So, nun wünsche ich Euch eine gute Weiterreise, bleibt gesund und tragt Sorge. Der Weg ist das Ziel, geniesst die einmalige Reise ….
Markus & Beatrice
PS: habe bis dato noch keine definitve Stelle – doch es zeichnet sich nun etwas Konkretes ab … kommt gut – smile .
Hoi zäme
spannend hört sich eure Reise an. Oh ich beneide euch so. Ja leider man bräuchte sie ja nicht, die doofen Pannen, aber so lang man sie beheben kann gehts ja noch. Braucht halt nur immer viel Zeit und Aerger.
Wir geniessen den Sommer. Im Moment war es bei uns im Geschäft auch etwas ruhiger. Haben uns dann ein paar schöne Tage in Frankreich in der Bresse gemacht. Mit Hund und Enduros haben wir die Gegend unsicher gemacht.
Weiterhin eine schöne Reise.
Grüessli Jacqueline
Heya heee….
Oha, die vielen Pannen haben Euch wohl etwas mitgenommen (wohin werdet ihr bestimmt noch berichten). Aber hey, eine richtige Abenteuerreise ohne Pannen – das geht schon mal gar nicht. Also könnt ihr Euch eigentlich glücklich schätzen. Und wir Leser uns sowieso, ein bisschen Spannung muss ja schliesslich sein, und ausserdem stehen wir auf Humor. Und ihr schreibt wirklich lustig. Beim Ausdruck Surrli habe ich mir den Bauch gehalten und auch fast den Surrli gemacht … aufem Bürostuhl… 10mal rundherum, wie’n Karussell*g*
Haltet die Ohren steif und die Füsse warm … wie die Rentiere
Many Hugs and best wishes (merkt man wie verstaubt meine kümmerliches English ist?)
Nicki … und einen lieben Gruss hintennach von Annett 😉
P.S: Menno, ich vermiss Eu ganz fescht *brüehl und lätsch… und Zetter… und Mordio sowieso*
Chömed gfälligscht bald wieder zrugg. Keine macht mir selbergmachti Gmüespizza! Zum Hüüüüle isch das … zum hüüle, jawohl *schniefzg*
Endlich wieder ein neuer Beitrag. War schon ganz kribbelig …
Danke für den Bericht und die (wie immer) schönen Fotos.
Heute Dienstag, den 26. Juli ist die ganze Genfer Family per Flugzeug nach Finnland aufgebrochen. Raff wird nur ein paar Tage in Helsinki bleiben und dann zurückkehren.
Am Wochenende werde ich nach Genf gehen und auf meinen ‚kleinen‘ Neffen aufpassen, bis er mit seinen Kumpels weiter nach Barcelon reist.
Das Wetter bei uns scheint langsam besser zu werden und vielleicht werde ich im Herbst doch noch ein gute Chili-Ernte auf meinem Balkon einfahren.
Liebe Grüsse und weiterhin viel Glück auf der Fahrt.
Also wir haben uns über die Wartezeit und die damit für uns verbunde Postkarte sehr gefreut, herzlichen Dank 🙂
Ansonsten: Ihr Ärmsten mit Euren Pleiten Pech und Pannen! Hoffentlich geht es ab jetzt etwas reibungs-, pannen- und übelkeitsfreier weiter 🙂
Das Mitternachtssonnenfoto sieht super aus! Ich freu mich schon auf die „Dia“-Show bei Euch 🙂
Ach und Matti: Nachträglich noch HAPPY HAPPY BURZELTAG!!!