Von Prince Rupert her bietet sich eine Reise auf die Inselgruppe Haida Gwai’i an mit Jahrhunderte alten Totempfählen und reinster Natur. Leider aber gibt es gerade mal 2-3 Fähren pro Woche, die schon Wochen im Voraus ausgebucht sind; insbesondere für Fahrzeuge. So liessen wir diese Idee fallen und machten uns auf zu den gerade mal ca 240 Jahre alten Lavafeldern im Nisga’a Memorial Lava Bed Park und übernachten im nahen Gitlaxt’aamiks (New Aiyansh) sehr persönlich bei einem älteren Cree-Indianer. Seine Erzählungen und die seines (seit einem schweren Unfall) schwer behinderten Nachbars haben uns tief bewegt.
Es ging nun weiter nordwärts auf dem „Cassiar Highway“ und so übertraten wir die wohl einfachste Grenze in die USA. Kein anhalten, keine Fragen, keine Passkontrolle und schon waren wir in Hyder in den USA. Die „freundlichste Geisterstadt von Alaska“ (eine Enklave, welche nur von Kanada her zugänglich ist) begrüsste uns mit einem Zettel am gebuchten Hotel mit unserem Schlüssel und ausführlichen Informationen. Nach einem geschotterten Besuch beim Salmon Glacier mit einer fantastischen Aussicht wollten wir nun etwas essen. Um 2 Minuten nach 8 betraten wir den vielgerühmten Saloon nebendran und wurden sogleich wieder rausgeschickt mit dem Kommentar, dass die Küche seit 20h geschlossen sei. Die Hotelmädels an der Bar (die ebenfalls um 20h schloss!) erbarmten sich unserer und fuhren uns sogleich zu einem kleinen persönlichen Imbiss, der für uns nochmals die Fritteuse anwarf und uns etwas herrliches kochte.
Auf dem Spazierweg zurück zum Hotel begegneten wir schliesslich einer Horde Kolibris, die über einen Nektarspender an einem Haus herfielen. Auch mussten wir noch einem Schwarzbären die Vorfahrt überlassen, denn er kam von links.

Von nun an sehen wir eigentlich jeden Tag Schwarzbären und manchmal auch Grizzlys. Auch kreuzen wir unterwegs erneut Esther+Karl, die mit einem Duro-Umbau die Welt bereisen und tauschen viele News und Tipps aus. Die Weiterfahrt führte kurz nach Cassiar (dem Namensgeber des Highways; heute aber eine Ghosttown), hier war jahrelang eine grosse Asbestmine in Betrieb und später wurde auch Jade abgebaut. Zurück blieb ein riesiger Schuttberg aus Asbest und grünem Jadesand. Auch einige alte Gebäude mussten natürlich von Matti inspiziert werden.
Nähe Watson Lake erreichten wir schliesslich den berühmten Alaska Highway und fuhren weiter in Richtung Alaska. Erneut schwenkten wir jedoch nach Süden um diesmal einen richtigen Grenzübertritt in die USA zu erleben. Kurz vor Skagway schliesslich füllten wir die benötigten Formulare aus, hinterliessen Fingerabdrücke und ein Foto und erhielten problemlos unser 90-Tage Visum. Skagway ist ein richtiger Touristenmagnet, hergerichtet im Stile einer Goldgräberstadt, aber dennoch nicht ohne Charme. Berühmt ist der Ort durch seine gewagte Eisenbahnlinie über den White Pass, die heute von Touristen überrannt wird. Die Fähre brachte uns nun in einer Stunde nach Haines, doch auch hier nicht ohne Überraschung. Riemen gibt es offiziell keine, um die Motorräder auf den Fähren fest zu binden; zum Glück waren schnell noch einige besorgt…

In Haines sahen wir endlich wieder viele Weisskopfseeadler, auch viele Jungtiere (die noch hauptsächlich braun sind). Eigentlich wären wir länger geblieben, doch Samstagnacht war alles ausgebucht – ein mehrtägiges Velorennen endete hier, also fuhren wir den Strampler entgegen und kurvten über den wunderschönen Chilkat-Pass erneut nach Kanada, um ein paar Bären später ein Tipi auf einem Bauernhof ganz für uns allein zu finden. Ein grosses Feuer wärmte (und bequalmte) uns und einen Notfalleinsatz später waren wir schliesslich auch am Schlafen. Ein Teilnehmer des Rennens wollte spät abends noch nach Hause, und überschlug sich keine 100m neben unserem Tipi mit seinem Pickup. Er hatte Glück im Unglück und ausser ein paar tiefen Schnitten am Ohr hatte er seinen Ausflug ins Grüne recht gut überstanden. Die Airbags seines 2 Monate alten Autos hatten nicht mal ausgelöst…

Bei Sonnenschein machten wir uns weiter auf den Weg auf dem Alaska Highway zum ‚eigentlichen‘ Alaska, wo es via Tok weiter nach McCarthy/Kennicott, einer alten Kupfermine, ging. Unterwegs sahen wir nun aber endlich unseren ersten Elch. Dicht gefolgt vom zweiten, dritten und vierten. Die letzteren mussten aber noch verdient werden, so sammelte Barbara unterwegs ein Bahn-Souvenir der ehemaligen Eisenbahn Cordova-Kennicott in Form einer fingerdicken Gleisschraube im Pneu auf.
Dank der grossartigen Hilfe von 2 schweizer Womos (Danke Roli+Esti, Markus+Judith!) konnte Matti den Schlauch schliesslich in McCarthy reparieren (ganz ohne Pneumaschine) und wir stellten fest, dass es keine gute Idee ist, ohne Werkzeug um zumindest ein Rad ausbauen zu können, unterwegs zu sein. Das grossartige BMW-Bordwerkzeug in Forme eines Schraubenziehers und eines Lippenstifts war diesbezüglich leider keine riesige Hilfe.
3h verspätet erreichten wir sodann trotzdem unser Ziel und verschoben die Besichtigung der alten Minengebäude auf den nächsten Morgen. Kennicott war während einigen Jahrzehnten eine der ertragsreichsten Kupferminen der Welt und wurde 1938 wegen sinkenden Rohstoffpreisen ziemlich plötzlich verlassen. Viele der Gebäude wurden (und werden) inzwischen restauriert oder zumindest stabilisiert. Auf einer kleinen Tour konnten wir somit die alte, 14-stöckige vollautomatische Zerkleinerungs- und Sortieranlage und weitere Gebäude besichtigen.

Der nächste Stop, Valdez, wiederum am Meer und bekannt wegen seiner Ölkatastrophe von 1989 der Exxon-Valdez begrüsste uns mit durchzogenem Wetter. Dennoch begaben wir uns am nächsten Tag auf eine wunderschöne Kayaktour zum Columbia-Gletscher um zwischen Eisbergen und Seeottern herum zu paddeln. Wieder zurück konnten wir ausserdem einen Weisskopfseeadler aus nächster Nähe beim Fischhautzupfen auf einem Ast beobachten. Nach einem Wechsel von einem miserablen Hotel in ein hervorragendes (und günstigeres) B&B genehmigten wir uns 2 Tage Auszeit, welche wir mit Planen und Telefonieren verbrachten…
So hatten wir das riesige Glück, kurzfristig eine Tour in den Katmai National Park zu ergattern; denn diese sind jeweils über 1½ Jahre vorher ausgebucht. Glücklicherweise hatten sie eine Absage, die exakt in unsere Pläne passte. Doch vorerst mussten wir erstmal nach Anchorage kommen.

Unterwegs bestiegen wir den wunderschönen Matanuska-Gletscher, auf dem wir einen schönen Spaziergang auf dem Eis unternehmen konnten. Bei Palmer konnten wir ausserdem noch eine Moschusochsen-Farm besuchen, diese Tiere werden erst seit etwa 50 Jahren für ihre sehr feine und warme Unterwolle domestiziert.
Ein weiterer interessanter Zwischenstop in Eklutna führte uns zu einem indianisch-russischen Friedhof. Nach dessen Besuch die Ernüchterung. Nach 1000km hatte Barbaras Töff wieder einen Platten. Zum Glück konnten wir nun das Rad selbst ausbauen und Matti fand 20km entfernt einen Töffhändler, der gleich einen neuen Schlauch einbauen konnte – der Flick hatte sich durchgeschabt. Zur Sicherheit kauften wir auch gleich je einen Ersatzschlauch um in Zukunft besser gewappnet zu sein, wenn kein Töffhändler in der Nähe ist.

Nach einem kurzen Zwischenstopp in Anchorage ging es schliesslich früh Morgens per Miniflugzeug nach King Salmon und von dort per Wasserflugzeug nach Brooks Camp auf der Katmai-Halbinsel im gleichnamigen Nationalpark. Hier gibt es keine Strassen hin, so dass alles per Flugzeug gebracht werden muss. Dieser Nationalpark ist einer der bekanntesten Orte für Bärenbeobachtung und die Sockeye-Saison (eine Lachsart) hatte gerade begonnen. So standen bis zu 12 Bären an und um einen kleinen Wasserfall, der für die Lachse eine nicht unerhebliche Barriere darstellt und fischten nach den Lachsen mit verschiedenen Fangmethoden. Die einen warteten oberhalb, dass ihnen ein Fisch ins Maul fliegt, während andere unten dran die gescheiterten Fische abfingen während die dritten sie regelrecht jagten im untiefen Wasser oder einfach auf angeschwemmte Reste warteten. Der Wanderweg dorthin ist ein Abenteuer für sich, so wandert man eine halbe Stunde durch den dichten Wald und meistens muss ein Umweg eingeschlagen werden, weil ein riesiger Braunbär gerade dort entlang gehen will.

An einem anderen Tag besuchten wir auch das Valley of 10‘000 Smokes, wo 1912 ein Vulkanausbruch das ganze Tal unter etwa 50m Asche begrub und sich der Fluss inzwischen ein schönes Grand-Canyon hineingeschnitten hat.
Leider (oder zum Glück, denn die Lodge kostet für den nicht-vorhandenen Komfort etwa das 6fache eines Hotels) konnten wir nur zwei Nächte bleiben, sodass wir rechtzeitig zum 4th of July, dem amerikanischen Nationalfeiertag wieder in Anchorage waren und die interessante, wenn nicht bizarre Parade geniessen konnten. Von Veteranen, Politikern, Kirchen, Vereinen bis zu schrägen Darbietungen wie dem Invisible Dog Club, die ihre unsichtbaren Hunde ausführten war alles präsent. Auch gab es jede Menge Verpflegungsständen mit tonnenweise Popcorn und Zuckerwatte und Rentierhotdogs. Doch bald zieht es uns wieder auf die Töffs, die Kenai-Halbinsel wartet, ebenso will der hohe Norden noch begutachtet werden…

